Auf den Spuren der Römer am Rhein – Einzigartige Zeugnisse der Antike erleben

Veröffentlicht von Joelina

Vindonissa - © museumaargau.ch
Eine Reise durch die Schweiz scheint manchmal wie eine Reise in vergangene Epochen. Kaum ein Land hat so viele und so gut erhaltene Schlösser, Altstädte und andere Bauten aus dem Mittelalter. Doch die ältesten Anzeichen einer zivilisierten Gesellschaft reichen manchenorts sogar bis in die Antike zurück, zu den Römern.

Ein Zeugnis römischer Ingenieurskunst ist der 2,4 km lange Aquädukt von Vindonissa (heute: «Windisch»). Er gilt als das «älteste funktionierende Bauwerk der Schweiz» und versorgte ursprünglich das römische Legionslager Vindonissa und die später daraus entstandene Region Windisch noch bis ins Jahr 1897 mit Trinkwasser.

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Nur rund 45 km weiter westlich, etwa 20 km östlich von Basel, war «Augusta Raurica» einst eine prächtige Stadt des römischen Reiches. Hier entwickelte sich ein lebendiges Treiben, welches genauso schnell, wie es gekommen war auch wieder verschwinden sollte. Doch die Spuren der Römer sind bis heute deutlich sichtbar geblieben und lassen sich an diesen einmaligen Orten, die zu den beliebtesten Ausflugszielen der Nordschweiz zählen, eindrucksvoll erleben.

 

Metropole am Rhein: Augusta Raurica

Den beeindruckendsten Einblick in das antike Stadtleben bietet Augusta Raurica bei Augst und Kaiseraugst, Kanton Baselland, die besterhaltene römische Stadt nördlich der Alpen. Gegründet als Kolonie, entwickelte sie sich zu einer pulsierenden Metropole am Rhein. Der Rhein diente schon in der Antike als einer der strategisch wichtigsten Handelswege. Auch für das Römische Reich war die Wasserstraße von entsprechend großer Bedeutung. Das damalige Gallien war unter der Herrschaft Julius Caesars eingenommen worden, sodass der Weg zur Siedlungsgründung am Rhein geebnet war. 44 v. Chr. gründete der Feldherr Lucius Munatius Plancus den ersten Stützpunkt am Rhein, Augusta Raurica. Die kleine Siedlung wuchs schnell, bekam Marktplätze, Thermen und Tempel. Das monumentale Theater ist das Herzstück der Anlage. Zur Blütezeit der Siedlung lebten schätzungsweise etwa 15.000 Einwohner in Augusta Raurica.

Heute wird Augusta Raurica als ein Ort der Begegnung zwischen Gegenwart und Vergangenheit verstanden. Unter dem Motto «Erleben – Erhalten – Erforschen» wird Geschichte hier greifbar gemacht. Besucher können in einem originalgetreu rekonstruierten Römerhaus sehen, wie eine wohlhabende Familie lebte, oder im Museum den spektakulären Silberschatz bestaunen.

© Augusta Raurica / Susanne SchenkerUnzählige Angebote machen den Besuch zu einem richtigen Abenteuer für Kinder und Erwachsene. Von antiken Färbetechniken, römischen Spielen für Groß und Klein, Schmuck bis hin zu Gladiatorenkämpfen und Fachkursen ist hier alles dabei. Ob beim Brotbacken im Holzofen oder beim Töpfern wie vor 2000 Jahren – die Vergangenheit wird hier zur lebendigen Erfahrung. Das große jährliche Highlight ist das große Römerfest im Spätsommer.

Gleich neben Augusta Raurica befindet sich zudem ein Tierpark mit Schwerpunkt auf jene Tiere, die bereits zu den Zeiten der Römer gehalten wurden. Neben Walliser Landschafen, Wollschweinen und Nera-Verzasca-Ziegen werden hier zusätzlich stark gefährdete Wildtierarten mit dem Ziel der späteren Auswilderung und Bestandserhaltung in der freien Natur gezüchtet.

Die Vision des Kantons Basel-Landschaft für Augusta Raurica geht weit über die reine Konservierung hinaus. Sie soll ein «führendes Zentrum für römische Archäologie» werden, das Menschen inspiriert und zum Nachdenken anregt: «Wer sind wir? Woher kommen wir?».

Für das Freilichtgelände und den Tierpark ist der Eintritt kostenlos, für das Museum mit Römerhaus beträgt er regulär 8,- CHF und ermäßigt 6,- CHF.

© Augusta Raurica / Susanne Schenker
© Augusta Raurica / Susanne Schenker

 

Marschbefehl für Hobby-Legionäre: Vindonissa

Während Augusta Raurica das zivile Leben der Antike zeigt, führt uns der Legionärspfad Vindonissa im aargauischen Windisch in das einzige römische Legionslager der Schweiz. Hier stationierte Rom seine Soldaten, um die Grenzen des Reiches zu sichern. Der heutige Erlebnispark gewährt Besuchenden einen Einblick in das Leben römischer Legionäre, von imposanten Eingangstoren bis hin zu den sanitären Einrichtungen und das Feldlazarett. Vor über 2000 Jahren bereiteten sich hier schätzungsweise 6000 römische Legionäre auf ihre Einsätze vor.

Die aufwendig in Szene gesetzte Fundstätte hat einiges zu bieten. Neben den alltäglichsten Orten wie der Offiziersküche und dem römischen Bad, birgt Vindonissa das mit 11.000 Plätzen größte Amphitheater der Schweiz. Erbaut wurde es in der ersten hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und ist somit nicht nur das größte, sondern auch das älteste Amphitheater der Schweiz. Für Staunen sorgt auch die Wasserleitung von Vindonissa. Der Aquädukt gilt als das älteste funktionierende Bauwerk der Schweiz und war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch in Betrieb.

Die Fundstätte bietet ein immersives Erlebnis für Groß und Klein. Von den verschiedensten Spieltouren für Kinder bis zu diversen Themen-Touren für Erwachsene wird hier jeder fündig. Wer vollkommen in die Welt der Legionäre eintauchen möchte, kann sogar eine Nacht in der originalgetreu nachgebauten Legionärsunterkunft, der «Contubernia», verbringen.

Regelmäßige Veranstaltungen wie der Familiensonntag, der Handwerkermarkt oder antike Theathervorführungen sorgen für beste Unterhaltung, die ganz nebenbei auch die Distanz zur Geschichte schwinden lässt.

Vindonissa - © museumaargau.ch
Vindonissa - © museumaargau.ch
Vindonissa - © museumaargau.ch
Vindonissa - © museumaargau.ch
Vindonissa - © museumaargau.ch

 

Durch Forschung zu Inspiration

Hinter den Kulissen dieser Erlebnisparks wird harte wissenschaftliche Arbeit geleistet. Institutionen wie Augusta Raurica haben den gesetzlichen Auftrag, dieses kulturelle Erbe vor der Zerstörung zu bewahren und nach neuesten Standards zu erforschen. Archäologie ist hier kein verstaubtes Handwerk, sondern ein geschichtswahrender, vermittelnder und kreativer Prozess. Die Forschungsergebnisse fließen direkt in die Vermittlung ein. So entstehen Projekte wie die Ausstellung «Das perfekte Dinner» oder digitale Angebote wie die «Ruinengeschichten», die den Besuchern neue Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Fragen eröffnen. Bei der Arbeit ist wissenschaftliche Präzision das höchste Gut. Gleichzeitig soll sie inspirieren und die Legenden und Mythen der Antike möglichst lange lebendig und vor allem zugänglich zu halten.


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