Die Herbstmesse Basel – Einer der größten Jahrmärkte Europas

Veröffentlicht von Joelina

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Auf dem Vorplatz der St. Martinskirche tummeln sich die Schaulustigen. Es ist kurz vor 12 Uhr, ein linker Handschuh wird aus dem Turmfenster gestreckt und der Menge präsentiert. Punkt 12 Uhr: Der Glöckner läutet die Glocken. Die Herbstmesse wird traditionell jedes Jahr am Samstag vor dem 30. Oktober eröffnet und dauert zwei Wochen. An gleich mehreren Plätzen in der Stadt Basel locken spektakuläre Fahrgeschäfte, süße Naschereien, heißbegehrte Handwerkskunst und köstliche Spezialitäten.

 

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Die größte und älteste Chilbi der Schweiz

Die Herbstmesse hat im Laufe ihrer über 550-jährigen Geschichte unglaubliche Ausmaße erreicht.
Im Gegensatz zum Knabenschießen in Zürich ist sie nicht militärischen Ursprungs. Im Jahr 1449 endete das Konzil in Basel, woraufhin die Stadt in eine Krise stürzte. Auf fast zwei Jahrzehnte wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufschwungs folgten Hungersnöte, Krankheiten und wirtschaftliche Rezessionen. Händeringend suchte die Regierung nach Möglichkeiten, der Wirtschaft neuen Aufschwung zu verleihen. Helfen sollte dabei die Ausrichtung eines regelmäßig stattfindenden Jahrmarkts.

Mit diesem Gesuch musste sich die Stadt Basel jedoch an Kaiser Friedrich III. wenden. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, entsandte die Stadt zunächst eine Delegation nach Rom zu Papst Pius II., der Basel wohlgesonnen war. So ließ der Papst 1459 dem Kaiser ein Schreiben zukommen, in dem er sich für die Bewilligung des Antrags der Stadt Basel einsetzte. Doch der Brief ging auf dem Versandweg verloren.

Erst als der Basler Bürgermeister Hans von Bärenfels das Projekt «Jahrmarkt» zehn Jahre später erneut aufgriff, kam der Stein ins Rollen. Weitere zwei Jahre später wurde ihm am 11. Juli 1471 eine Urkunde mit dem Siegel des Kaisers ausgehändigt. Dieses Schreiben garantierte der Stadt Basel das «Messeprivileg für alle Zeiten». Zunächst sogar für zwei Messen pro Jahr: eine im Frühjahr und eine im Herbst. Doch fühlten sich die Basler Unternehmer durch die Händler des Jahrmarkts bedroht, sodass sie gemeinsam durchsetzten, dass die Messe kurz nach Pfingsten bald nicht mehr stattfand. Die Herbstmesse wurde erstmals am 27. Oktober 1471 durchgeführt und seither jedes Jahr aufs Neue – fast ausnahmslos. Lediglich während der Pestzeit 1721, der Cholera 1831, im Ersten Weltkrieg, während der Spanischen Grippe 1918 sowie der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 konnte die Chilbi nicht wie üblich stattfinden.

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Über ein halbes Jahrtausend – Basel lebt

Über all die Jahre hinweg hat sich eine besondere Tradition gehalten: die Handschuhe des Glöckners. Sowohl der Beginn als auch das Ende der Messe wird vom Glöckner eingeläutet. Dieser erhält als symbolische Vergütung zu Messebeginn den linken und zum Messeende den rechten Handschuh.

Vor einer dichten Menschenmenge wird die Messe um Punkt 12 Uhr offiziell eröffnet. Zwei Wochen lang wird Basel zum Hotspot der Schweiz. Über eine Million Menschen besuchen regelmäßig den Jahrmarkt, der mittlerweile wirklich alle Erwartungen sprengt. Zuletzt waren rund 460 Stände vertreten: zahlreiche Fahrgeschäfte, kulinarische Verkostungen und Händler, die ihre Produkte anbieten. Dabei ist die Tendenz klar: höher, schneller, weiter. Jahr für Jahr beherbergt die Chilbi in Basel immer mehr Superlative ihrer Klasse.

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Höher, schneller, weiter – Chilbi der Superlative

Sieben Schauplätze mit über 50 Bahnen und mehr als 130 Verpflegungsständen – zweifelsohne die größte Vergnügungsmesse der Schweiz. Die Messeplätze sind heiß begehrt. Über 1.000 Bewerbungen von Schaustellern und Marktanbietern gingen im Jahr 2025 für die Herbstmesse ein. 460 von ihnen wurden sorgfältig ausgewählt und kuratiert. Die Auswahl an Attraktionen deckt ein breites Spektrum für verschiedene Geschmäcker und Altersgruppen ab, vom nostalgischen Karussell bis zum Hightech-Fahrgeschäft, vom Zuckerwattestand bis zu regionalen Spezialitäten wie dem Basler-Läckerli.

Die Herbstmesse blickt auf eine lange Tradition zurück und auch ihre Attraktionen haben einen weiten Weg hinter sich. Es begann mit einfachen Labyrinthen, Laufgeisterbahnen und Highlights wie der «rollenden Tonne», einem Spiel mit der Zentrifugalkraft, bei dem es damals keinerlei Sicherungen gab. Im Jahr 1900 war der große Stolz der Herbstmesse ein 20 Meter hohes, mobiles Riesenrad. Heutzutage sind diese gut und gerne mal 60 Meter hoch. Das größte mobile Riesenrad der Welt, der «City Star», misst sogar 70 Meter und bringt stattliche 400 Tonnen auf die Waage.

2025 kam ein echtes Urgestein auf den Petersplatz: die in den 1930er-Jahren erbaute «Wiener-Prater-Geisterbahn», die wohl älteste mobile Geisterbahn der Welt. Dank über 60 tatkräftigen Helfern konnte die zweistöckige Geisterbahn nach sechs Jahren Ruhepause endlich wieder in Betrieb genommen werden und ihr Debüt gleich auf einer der größten Vergnügungsmessen Europas feiern.

Der Großteil der Messeangebote befindet sich auf dem Petersplatz, der in seinen fast 150 Jahren als Herbstmesseplatz schon so einiges an Chilbi-Geschichte erlebt hat. Neben zahlreichen kulinarischen Angeboten gibt es dort auch Platz für Tradition und Handwerk: den «Hääfelimäärt» mit Keramik- und Tonwaren sowie seit 2021 das «Handwerkerdörfli», wo traditionelles Handwerk wie Glasblasen, Weben, Drechseln, Drucken und Prägen gezeigt wird. Hier präsentiert sich die Herbstmesse in ihrer ursprünglichsten Form. Bis heute ersetzen viele Schweizer ihre im Jahresverlauf zerbrochene Keramikware am «Hääfelimäärt» – sei es handgemachtes Geschirr, Töpferwaren, Holzspielzeug oder andere Handwerksprodukte.

Basel wird in diesen zwei Wochen zur lebendigen Bühne für Tradition und grenzenloses Vergnügen. Ein Kulturgut, das lebt und verbindet. Und das auch nach über einem halben Jahrtausend nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

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