Vier Tage Winterwanderung – die «Via Engiadina»

Das Engadin ist nicht nur im Sommer eins der beliebtesten Wandergebiete der Schweiz. Auch im Herbst, wenn die Wälder sich rot und gold färben und das Herbstlaub so schön unter den Wanderschuhen raschelt hat das malerische Tal in Graubünden so manchen Reiz. Wer dort einen Herbsturlaub verbringt, erlebt ihn sogar mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit: Den plötzlichen Wintereinbruch. Noch lange bevor der Massentourismus die Skipisten füllt, kann man im Engadin mit etwas Glück die traumhaft winterliche Herbstidylle auf der «Via Engiadina» genießen. Im Winter ist die Schneesicherheit natürlich wesentlich größer. Die Wahrscheinlichkeit, ungestört zu wandern hingegen weniger. Auch für Kinder gibt es dort wundervolle Erlebnisse auf den Spuren des Schellen-Ursli und seiner Schwester Flurina.
Die vier Etappen der Via Engiadina
Die Schneewanderroute «Via Engiadina» führt über 46 km in vier Etappen durch das Engadin. Damit Sie die Etappen mit leichtem Gepäck bewältigen können, wird Ihr Hauptgepäck von Hotel zu Hotel transportiert. Unterwegs genügt ein kleiner Rucksack mit Proviant und wettergerechter Kleidung.

Etappe 1:
Die erste Etappe startet mit sportlichen 16 km und etwa 4,5 Stunden Wanderzeit von Zernez nach Guarda. Bei dieser Streckenlänge ist eine gute Grundkondition vonnöten. Dafür bleibt die Strecke technisch recht einfach. Nach einer leichten Steigung zu Beginn der Wanderung geht es in einem sanften Abstieg den Weg hinab. Der Weg führt über offene Felder und durch lichte Wälder. Dazwischen geben die Bäume immer wieder den Blick auf die verschneiten Hänge des Unterengadins frei. Auf dem Weg werden zudem mehrere Engadiner Dörfer durchquert. Ein besonderer Zwischenstopp ist das romantische Dorf Lavin. Eine gedeckte Holzbrücke führt hier über den Inn zum Dorf mit seinem italienischen Flair und Palazzo-ähnlichen Häusern. Vorbei an den Ruinen von Gonda aus dem 12. Jahrhundert bis zum Val Tuoi geht die Wanderung weiter, bis sich die letzten Höhenmeter bis nach Guarda anbahnen. Das Heimatdorf des Schellen-Ursli lädt zum Einkehren, Verweilen und zum Bestaunen der malerischen Dorfplätze und Engadinerhäuser ein.


Etappe 2:
Auf diesen sportlichen Einstieg folgt an Tag zwei eine kurze, knackige Wanderung. Gerade einmal 1,5 Stunden und 5 km, zumeist absteigend, führt diese Etappe von Guarda nach Ardez. Die kurze Tour bietet nicht nur die Möglichkeit, Ardez in aller Ruhe zu erkunden, sondern auch reichlich Zeit, die Sehenswürdigkeiten auf der Route zu entdecken. Wer einen Umweg über Munt d'Ardez einschlägt, verlängert die Etappe um etwa 1 Stunde und 265 Höhenmeter. Der zusätzliche Aufstieg lohnt sich: Oben angekommen, eröffnet sich der Blick auf eine tiefverschneite Hochebene und die umliegende Bergwelt.


Etappe 3:
Die dritte Etappe führt von Ardez nach Scuol. Das malerische Bergdorf Ardez besticht mit seinen romantischen Häusern, verwinkelten Gassen und einem unvergleichlichen Charme. Gleich zu Beginn folgt der erste und einzige Anstieg des Tages. Etwa 15 Minuten wird es hier doch anstrengend. Nach etwas längeren Winterwanderwegen geht es auf asphaltierten Straßen weiter. In Ftan bietet es sich an, einmal einzukehren. Im «Café e Butea Scuntrada» gibt es neben lokalen Spezialitäten wie der Bündner Nusstorte auch Schweizer Klassiker wie Apéroplatten und warme Getränke sowie eine kleine Geschenkauswahl. Auf dem verbleibenden Abstieg nach Scuol läuft man entlang der Schlittelpisten und wird regelmäßig von Schlittenfahrern überholt. Direkt an der Talstation Scuol endet die vorletzte Etappe dieser Wanderung.


Etappe 4:
Die vierte Etappe führt von Scuol nach Sent und startet mit der Bergbahn. Mit der Bergbahn geht es hinauf nach Motta Naluns auf über 2.000 Metern Höhe. Schon bei der Fahrt lässt sich das Tagesziel Sent in der Ferne entdecken. Oben angekommen, beginnt der Anstieg. Der Winterwanderweg verläuft zunächst in der Nähe der Skipiste und führt anschließend entlang der Bergflanke ins offene Gelände. Immer wieder öffnet sich der Blick über die verschneite Unterengadiner Bergwelt. Der letzte steile Abstieg führt entlang der «Traumpiste», der Talabfahrt von Motta Naluns. Nach 4,5 Stunden und fast 14 km Strecke ist auch die letzte Etappe der «Via Engiadina» abgeschlossen.


Eine kurze Tour in Scuol mit Schlitteln und Fondue
Wer nach einer eher kurzen Rundwanderung sucht, die auch für Kinder geeignet ist, der startet in Scuol und nimmt den Höhenweg bei Motta Naluns und dann wieder zurück nach Scuol.
Mit der Bergbahn geht es bequem hinauf nach Motta Naluns, von wo aus der Winterwanderweg beginnt. Am sonnigen Hang entlang, mit herrlicher Aussicht auf die Unterengadiner Bergwelt, führt der «Flurinaweg», ein Highlight mit der kleinen Schwester der Schellen-Ursli, zum Bergrestaurant Prui mit seiner einladenden Sonnenterrasse. Von hier aus kann dank Sessellift und Rodelverleih eine Abkürzung nach Ftan genommen werden. Auch zu Fuß kommen Sie bis zum Bündner Dorf. Der Weg dorthin führt abwechselnd durch märchenhafte Waldabschnitte sowie offenes Gelände mit wunderschönen Ausblicken auf das winterliche Graubünden. Von Ftan können Sie anschließend den Bus zurück nach Scuol nehmen. Wer von der winterlichen Landschaft nicht genug bekommt, dem sei der Wanderweg von Prui aus weiter über Munt Clü bis nach Scuol ans Herz gelegt.
Direkt am Höhenweg nach Motta Naluns liegt das idyllische Bergrestaurant «Prümaran Prui». Mit seiner hervorragenden Lage ist es im Winter Treffpunkt für zahlreiche Wintersportler. Wer hier an einem Donnerstagabend einkehrt, kann sich mit herzhaftem Fondue verwöhnen lassen und anschließend direkt am Restaurant einen Schlitten für die Talabfahrt leihen.
