Das «große Plus» der Schweiz: Die Schweizerfahne

Veröffentlicht von Joelina


Heute gibt es fast 200 Nationalflaggen und unzählige untergeordnete Flaggen von Teilstaaten, Regionen, Kantonen, Provinzen, Städten und Gemeinden. Längst kennzeichnen sie nicht nur staatliche Organisationseinheiten, sondern auch Institutionen, etwa in der Wirtschaft oder im Sport. Obwohl Fahnen im Prinzip nur ein Stück Stoff sein mögen, tragen sie eine große Symbolwirkung. Sie sind ein kollektives Identitätssymbol, unter dem sich Menschen geeint und repräsentiert fühlen. Besonders in der Schweiz sind Fahnen jederzeit allgegenwärtig und genießen einen besonders hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Sie zieren nicht nur Amtsgebäude sondern auch Berggasthäuser, Gemeindeplätze, private Gebäude und sogar viele Schweizer Produkte. Doch welche Geschichte steckt eigentlich hinter der berühmten Schweizerfahne, die häufig scherzhaft als «großes Plus» bezeichnet wird?

 

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«Vexillologie» – ein Hilfswerkzeug der Geschichte

Alte Völker und Königreiche kennzeichneten ihre Zugehörigkeit mit an Stangen befestigten Symbolen. Bekannte Exemplare reichen bis zu 5000 Jahre zurück ins alte Ägypten oder ins alte Persien. Fahnen, wie wir sie heute kennen, waren diese Symbole allerdings nicht. Stattdessen wurden Metallstangen mit Inschriften oder anderen Symbolen verwendet. Primitive Reitervölker nutzten etwa Pferdeschwänze, andere befestigten Vogelfedern an ihren Standarten.

Die ersten Fahnen im eigentlichen Sinne waren sowohl in China als auch bei den römischen Legionen verbreitet. Diese bestückten ihre Standarten nicht mehr mit Inschriften oder Gegenständen, sondern nutzten stattdessen bestickten Stoff. Vor über 2000 Jahren führten die römischen Legionen Standarten, an deren Querstange ein purpurnes Tuch mit der aufgestickten Legionsnummer befestigt war, welches als Urform der heutigen Flaggen betrachtet werden kann. Diese Tücher hießen auf Lateinisch «Vexillum» und sind somit auch der Namensgeber für die Flaggenkunde, die sogenannte «Vexillologie», eine Hilfswissenschaft der Geschichte.

Ende des 18. Jahrhunderts waren Fahnen nicht mehr nur dem Militär und dem Adel vorbehalten, sondern galten als Allgemeingut. Sie wurden zum Symbol für die Werte, die ein Land und seine Bevölkerung einte. Auch im Nationalstaat wurden Fahnen fast religiös verehrt. Ein Umstand, der sich in einigen Staaten bis heute kaum geändert hat. In den meisten Teilen der Welt hat sich dieser religiöse Symbolgehalt jedoch etwas abgeschwächt, nachdem unter eben jenen Fahnen zahlreiche verheerende Kriege geführt worden waren.

Etliche Stadtstaaten oder freie Gemeinschaften führten anfänglich keine Wappen, denn diese waren zunächst dem Adel vorbehalten. Viele dieser Staaten besaßen jedoch bereits früh, ab dem 12. Jahrhundert, eigene Fahnen. So entstand in Zürich zuerst die noch heute bekannte Stadtfahne und erst später das Wappen der Stadt. Die älteste bekannte Fahne Zürichs trägt die Jahreszahl 1437 Sicher aber waren blau-weiße Fahnen schon früher in Gebrauch. Das gilt auch für die Stadt Luzern, deren Fahne auf die Mitte des 13. Jahrhunderts zurückgeht, oder für den Kanton Schwyz, der spätestens ab Ende des 13. Jahrhunderts eine einfache rote Fahne führte. Die Farbe Rot symbolisierte meist die Gerichtsbarkeit und die Bereitschaft, sein Blut für das Land zu vergießen. Das weiße Kreuz, welches den christlichen Glauben symbolisiert, wurde erst im späten 16. Jahrhundert im Wappen des Kantons eingeführt und erst im frühen 20. Jahrhundert auf der Kantonsfahne übernommen.

Römische Legionäre mit «Vexillum».Die Geschichte der Schweizer Flagge

Mit ihrem frei schwebenden weißen Kreuz auf rotem Grund ist die Schweizerfahne einfach und einprägsam. Erstmals geführt wurde sie 1833 vom Kanton Aargau für seine Truppen. Das damals noch plump wirkende Kreuz wurde jedoch zunehmend abgelehnt, sodass es im späten 19. Jahrhundert nochmals abgeändert wurde. Der Ursprung der roten Fahne ist bereits im 14. Jahrhundert zu finden. 1339 fand die Schlacht bei Laupen im Kanton Bern statt. Um sich von den anderen Akteuren auf dem Schlachtfeld zu unterscheiden, bestickten die Eidgenossen ihre Kettenhemden mit einem weißen Kreuz. Später tauchte das Kreuz auch auf Waffen und Bannern der Schweizer Soldaten auf.

Während der Helvetischen Republik (1798 - 1803) verordnete Napoleon Bonaparte der Schweiz eine «Trikolore», die von Frankreich ausgehend damals viele Nationalflaggen beeinflusste. Napoleon wies der Schweiz die Farben Grün, Rot und Gelb zu. Damit hatte die Schweiz ihre erste Nationalflagge. Doch gleich nach der Abschaffung der Helvetischen Republik wurde auch die Trikolore wieder aufgegeben.

In ihrer heutigen Form als Nationalfahne mit weißem Kreuz auf rotem Grund existiert die Schweizerfahne seit 1840. Über die Bedeutung des roten Hintergrunds streiten sich Historiker bis heute. Einige postulieren, er verweise auf das Blut Christi, andere vermuten eine Abstammung von der alten Berner Fahne. Das auffälligste Merkmal der Schweizerfahne, die quadratische Form, geht auf die damals gängige Form von Kriegsbannern zurück. Einzig der Vatikan hat außer der Schweiz eine quadratische Fahne. Seit 1848 ist die Fahne mit freischwebendem weißem Kreuz auf rotem Grund endgültig in der Schweizer Verfassung als Hoheitszeichen des Landes festgelegt.

Historische Darstellung von 1458: Schweizer Soldaten beten vor der Schlacht bei Laupen mit weißem Kreuz auf der Brust.
Fahne der Helvetischen Republik 1798 - 1803.


Die Schweizerfahne – ein stark reglementiertes Gut

Für die Schweizerfahne gibt es strenge Vorgaben. Neben der quadratischen Form ist auch das Rot klar definiert. Es trägt in der Pantone-Farbskala die Nummer 485C und ist eine Mischung aus Magenta und Gelb. 1889 wurde das weiße Kreuz noch einmal abgeändert. Ursprünglich bestand es aus fünf weißen Quadraten: eines in der Mitte und je eines an den vier Seiten. Dieses Kreuz wirkte jedoch klobig und wurde zunehmend abgelehnt. Daher wurde es überarbeitet und festgelegt, dass jeder Arm des Kreuzes genau ein Sechstel länger als breit sein muss. So entstand das bis heute bekannte schlankere Erscheinungsbild der Fahne. Ausnahmen von dieser strengen Normierung gibt es jedoch für die Schweizer Handelsmarine, die olympischen Athleten, die für die Schweiz antreten, sowie für die Schweizer Luftwaffe. Die Handelsmarine fährt unter rechteckiger Flagge, ebenso die olympischen Athleten der Schweiz. Die Luftwaffe hingegen verwendet eine rote Kokarde mit freischwebendem weißem Kreuz.

Am Nationalfeiertag ist jeder noch so unscheibare Winkel des Landes damit dekoriert und auch als modisches Accessoir erfreut sich das heutige Schweizerkreuz größter Beliebtheit. Als Symbol für echte Schweizer Qualität dürfen Schweizer Firmen ihre Produkte damit kennzeichnen, wenn diese die «Swissness-Regeln» erfüllen. Lebensmittel müssen demnach zu mindestens 80% aus Schweizer Rohstoffen bestehen, Milchprodukte sogar zu 100%. Bei anderen Produkten müssen mindestens 60% der Herstellungskosten in der Schweiz anfallen und die wesentlichen Fabrikationsschritte in der Schweiz stattfinden. Nur wo Schweiz drin ist, darf auch die Schweizerfahne drauf sein! 

Tasche aus Armeedecken mit Schweizerkreuz von Karlen Swiss.
Schweizerfahne als beliebtes Postkartenmotiv.

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