Das «Wasserschloss Europas»: Die schönsten Seen der Südschweiz

Wer die Schweiz nur als reine Winterdestination betrachtet, beraubt sich selbst atemberaubender Erfahrungen. Die Vielfalt der Schweizer Landschaft reicht weit über schneebedeckte Gipfel hinaus: Von grünen Hügellandschaften und Weinbergen bis hin zu tosenden Wasserfällen und spiegelglatten Seen hat das Land im Sommer alles zu bieten. Es zieht uns in der warmen Jahreszeit gleichermaßen ans oder ins Wasser, und welcher Ort wäre dafür besser geeignet als das «Wasserschloss Europas», das schließlich stolze 1500 Seen auf seinem Gebiet zählen kann. Obwohl die Schweiz flächenmäßig nur knapp 0,4 Prozent des Kontinents ausmacht, birgt sie ganze 6 % der europäischen Süßwasserreserven.
Das Schwimmen in der Aare bei Bern oder im Rhein bei Basel gelten als eine Art Volkssport und in erster Linie für geübte Schwimmer zu empfehlen. Der Genfersee, der Neuenburgersee und der Murtensee sind zweifelsohne einen Besuch wert, doch auch im Tessin, in Graubünden und im Wallis verbergen sich einige kleinere Gewässer, die als echte verborgene Schätze gelten. Abkühlung im Wasser oder in luftigen Höhen mit herrlichen Wanderungen könnte kaum schöner sein.
Graubündens idyllische Wasserwelten
Der Caumasee
Ein besonderes Highlight in Graubünden ist die Region rund um Flims. Der vermutlich schönste See im ganzen Kanton ist der Caumasee. Er wird auf Rätoromanisch «Lag la Cauma» genannt, was übersetzt so viel wie «See der Mittagsruhe» bedeutet. Mit seinem auffallend türkisgrünen Wasser, den umschließenden Nadelwäldern und dem Bergpanorama im Hintergrund wirkt er wie aus einem Märchen. Der See ist an einigen Stellen frei zugänglich. Für den Zugang zu den gepflegten Liegewiesen, den Sonnenplätzen oder der kleinen Insel inmitten des Sees ist jedoch ein Ticket für das Strandbad erforderlich. Hier können Besucher Boote und SUP-Boards ausleihen oder sich auf dem Beachvolleyballfeld austoben. Auch für Kinder ist gesorgt, da ein großer Spielplatz und ein Sandkasten zur Verfügung stehen.
Die Wassertemperatur des Caumasees ist eine Besonderheit und beträgt im Sommer angenehme 17 bis 24°C. Um die rund 80 Höhenmeter von Flims bis zum See bequem zu überwinden, kann der kostenlose Caumasee-Lift genutzt werden. Nach einem entspannten Spaziergang durch den Flimserwald lädt das Restaurant «Ustria La Cauma» zum gemütlichen Ausklang des Tagestrips ein. Das Restaurant bietet regionale Spezialitäten in modernem Ambiente und ist auch ohne Eintrittsticket für das Strandbad zugänglich.



Der Saoseosee
Ebenfalls in Graubünden befindet sich der Saoseosee («Lago di Saoseo») im friedlichen Val di Campo, einem Seitental des Puschlavs. Der auf 2021 m ü. M. gelegene Bergsee ist schlichtweg traumhaft. Je nach Lichteinfall schimmert das Wasser so türkis wie das karibische Meer oder leuchtet so intensiv blau wie der Himmel selbst. Das kristallklare Wasser lässt vom Ufer aus jeden Stein am Grund erkennen. Wenngleich der See auch im Sommer nicht besonders warm ist, kann kaum jemand widerstehen, nach einer Wanderung die Füße im kühlen Nass baumeln zu lassen. Für Wanderer empfiehlt sich zudem ein ruhiges Picknick am Westufer des Sees. Eine beliebte Rundwanderung beginnt in Sfazù, direkt an der Bernina-Passstraße. Wer es gemütlicher mag, nimmt das Postauto, das sich 400 Höhenmeter hinauf bis zur Alpe Campo schlängelt, und kürzt die Wanderung so um rund anderthalb Stunden ab.

Das «Bündner Matterhorn» und das echte Matterhorn im Spiegel
Der Zervreilasee
Ganz am Ende des Valser Tals, nahe der Grenze zum Tessin, liegt der traumhaft schimmernde Zervreilasee. Dieser Stausee ist je nach Wasserstand bis zu vier Kilometer lang. Links und rechts des Sees erstrecken sich grün bewaldete Hänge, während am Ende das Zervreilahorn, das sogenannte «Bündner Matterhorn», spitz in den Himmel ragt. Von den steilen Hängen stürzen unzählige Bäche hinunter und speisen den See mit frischem Bergquellwasser. Eine Wanderung um den See offenbart die Schönheit des atemberaubenden Panoramas. Wer den Weg abkürzen möchte, kann mit dem Postauto der Valser-Linie 431 ab Vals direkt bis zur Staumauer fahren. Dort befindet sich ein Gasthaus, das Besucher nach einem aktiven Tag mit Speis und Trank stärkt. Zudem ist der Zervreilasee der Startpunkt einer etwa sechsstündigen 4-Seen-Wanderung, die über den Guraletschsee, den Ampervreilsee und den Selvasee zurück nach Vals führt.

Der Riffelsee
Ein absolutes Muss auf jeder Bucket-List im Wallis ist der Riffelsee. Dieser kleine Bergsee liegt auf 2770 m ü. M. am Fuße des Riffelhorns und bietet einen direkten Blick auf die berühmte Ostfront des Matterhorns. Bei Windstille spiegelt sich der 4478 Meter hohe Gipfel perfekt auf der glatten Wasseroberfläche und bietet damit das perfekte Fotomotiv. Aufgrund der Höhe ist es jedoch nur zwischen Juli und Oktober warm genug, um dieses Spektakel zu bestaunen. Sobald der erste Schnee fällt, gefriert der See und verschwindet für viele Monate unter einer tiefen Schneedecke. Wanderer erreichen den See in etwa zehn Minuten Fußweg von der Station Rotenboden der Gornergrat Bahn.
Von Bergseen bis zu Inseln – Tessin zeigt sich vielseitig
Der Laghetto di Salei
Im Tessin lockt der Bergsee «Laghetto di Salei» mit vielseitigen Wanderungen im abgeschiedenen Onsernonetal. Von anspruchsvollen 900 m Aufstieg und vier Stunden Wanderzeit bis zu entspannten zweistündigen Rundwanderungen mit 300 m Höhendifferenz ist alles möglich. Das Onsernonetal wird oft als das «grüne Herz des Tessins» bezeichnet. Der See funkelt im Sonnenlicht und im friedlichen Gewässer spiegelt sich das atemberaubende Bergpanorama wider. Wer den Aufstieg bequemer gestalten möchte, nutzt die Seilbahn «Funivia Alpe Salei» von Vergeletto-Zott zur Alpe Salei, die eine fantastische Aussicht über das Locarnese bis zum Lago Maggiore bietet. Die saftigen Wiesen und Lärchenwälder laden zum Picknicken ein. Auf dem Weg zum See bietet die SAC-Hütte Capanna Salei eine ideale Möglichkeit zur Stärkung zwischendurch.
Isole di Brissago
Wenn man im Tessin verweilt, lohnt sich zudem ein Abstecher zu den Inseln von Brissago. Diese Inseln liegen mitten im Lago Maggiore zwischen Ascona und Brissago und verzaubern mit ihrer unglaublich schönen Natur. Der faszinierende Botanische Garten der Hauptinsel präsentiert rund 2000 subtropische Pflanzen sowie einen Skulpturenpark und die imposante Villa Emden.



