Gesucht: Das Schweizer Nationaltier

Spanien hat seinen Stier, Indien den Tiger, Deutschland und Österreich den Adler. Viele Staaten der Welt haben ein Nationaltier. Ein Tier, dass sie nach außen repräsentiert und nach innen eint. Ein solches Tier hat die Schweiz nicht, zumindest nicht offiziell. Immer wieder wird versucht, per Abstimmungen ein Schweizer Nationaltier zu ermitteln. So recht gelingen will es bislang zwar nicht, doch immerhin gibt es 4 vielversprechende Kandidaten.
Die (inoffizielle) Suche
Die Schweiz hat kein offizielles Nationaltier und auch inoffiziell mangelt es an Einigkeit darüber. In den letzten Jahren gab es zahlreiche Abstimmungen, etwa von Vereinen durchgeführt, zu einem möglichen Schweizer Nationaltier. Im Jahr 2021 startete beispielsweise der «Verein Nationaltier Schweiz» eine solche Umfrage. Unter 15.000 Teilnehmern triumphierte hier die Kuh. Mit 52% scheint sie eindeutig der Liebling zu sein. 2018 befragte das Schweizerische Nationalmuseum bereits sein Publikum zu den möglichen Nationaltieren im Rahmen einer eigenen Ausstellung. Das Ergebnis der Umfrage: Der Bernhardiner setzt sich klar gegen seine Konkurrenten durch.
Bei all den deutlich abweichenden Umfrageresultaten zeigt sich, dass die Suche nach dem Nationaltier selbst die Schweiz und ihre direkte Demokratie vielleicht besser repräsentiert, als ein Tier es je könnte. Die vier zur Wahl stehenden Tiere, die Kuh, der Steinbock, der Bernhardiner und das Murmeltier, werden jedenfalls ohnehin schon so stark mit der Schweiz in Verbindung gebracht, dass es quasi unmöglich scheint, ein Tier den anderen drei Kandidaten vorzuziehen und diese dadurch zu degradieren. Wie auch die einzelnen Kantone sollen auch sie alle gleichwertig sein. Ein Hoch auf die Vielfalt der Schweiz! Diese spiegeln übrigens auch die Wappen der Schweizer Gemeinden wieder: Fast jede dritte Gemeinde der Schweiz hat ein Tier im Wappen. Dabei werden erstaunlich selten diese vier Kandidaten abgebildet. Auf 162 Wappen sind insgesamt 29 Vogelarten vertreten. Am häufigsten darunter der Adler mit 58 Abbildungen. Nach dem Adler sind Löwen und Bären am häufigsten auf Gemeindewappen zu finden.


Die 4 Kandidaten für die Wahl zum Nationaltier der Schweiz
Die Liste der vorgeschlagenen Tiere ist lang. Das Schaf, die Ziege, der Steinadler und selbst die Eidechse wurde bereits vorgeschlagen. Zweifelsohne würden aber die Kuh, der Bernhardiner, den Steinbock und das Murmeltier in jeder Umfrage Erwähnung finden.
1. Die Gemütliche: die Kuh
Kühe sind in der Schweiz omnipräsent. Auf den saftig grünen Bergwiesen, in den Tälern und beim Alpabzug im Spätsommer. Unabhängig von Höhenlage und Jahreszeit, irgendwo ist immer eine Kuh zu finden. Ob Käse oder Schokolade, beides wäre ohne die Milch der Kuh wohl kaum möglich. Und was wären die Alpen ohne den Klang der Kuhglocken?
In der Schweiz gibt es etwa 1,5 Millionen Kühe. Schon vor 10.000 Jahren begannen die Menschen Kühe zu domestizieren und für landwirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Heute gibt es Viehschauen, die Ringkuhkämpfe der Eringer Kühe und nicht zuletzt auch den Stier auf dem Kantonswappen von Uri oder den «Holzmuni Max» am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest. Seit 1938 spielen sämtliche Generationen Schweizer Kinder mit den berühmten Holzkühen von Trauffer.Teil 1



2. Der Gipfelstürmer: der Steinbock
Der Steinbock ist der König der Alpen. In den steinigsten und unwegsamsten Höhen geht er richtig auf. Die imposanten Tiere haben Hörner, die bei den Böcken bis zu einen Meter lang werden. Mit ihren Hufen und viel Geschick klettern sie selbst die steilsten Felshänge hinauf. Mit seiner prächtigen Erscheinung ziert er auch das Kantonswappen von Graubünden und die Maskottchen-Böcke «Giach und Giachen» fragen auf der Homepage des Kantons freundlich nach Cookies und erleben spannende Kindergeschichten.
Der heutige Steinbock in Graubünden stammt jedoch ursprünglich nicht aus der Schweiz, sondern aus Italien. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Steinbock in der Schweiz nahezu ausgerottet. Die Wiederansiedelung gelang nur durch einige Nacht- und Nebelaktionen, in denen 59 Tiere aus Italien nach St. Gallen geschmuggelt wurden. 1911 wurde erstmals wieder ein Kitz in Freiheit geboren. Heute wird ihr Bestand wieder durch Jagd reguliert. In freier Wildbahn leben heute schätzungsweise 40.000 Tiere. Zu beobachten sind sie besonders gut im Schweizerischen Nationalpark.



3. Der Nationalheld: der Bernhardiner
Wer «Bernhardiner» hört, der hat bestimmt schon den massigen, friedlich dreinblickenden Berhardiner «Barry» mit seinem Schnapsfass am Halsband vor Augen. Er ist zwar nicht das offizielle Nationaltier der Schweiz, dafür aber schon seit 1887 der offizielle Schweizer Nationalhund. Einer Erzählung aus den Zeiten Napoleons nach, soll er als Lawinen- und Bergrettungshund auf dem mächtigen St. Bernhardpass 40 Menschen das Leben gerettet haben.
Heute übernehmen moderne Geräte die gefährliche Arbeit der Lawinenhunde. Stattdessen ist der Bernhardiner heute als Familien- und als Therapiehund sehr begehrt. Trotz allem ist er in der Schweiz erstaunlich rar. Gerade einmal 600 Exemplare gibt es in der Schweiz, weil sowohl Zucht als auch Haltung der recht trägen und faulen Hunde sehr aufwendig und kompliziert sind. Gezüchtet werden sie traditionell im Wallis. Lange Zeit wurde die Zucht von den «Mönchen vom Großen Sankt Bernhard» im Hospiz auf der Passhöhe geleitet. Seit 2005 übernimmt diese Aufgabe die Stiftung «Fondation Barry» in Martigny.



4. Das Schreckhafte: das Murmeltier
Der süße Nager ist mit Abstand das kleinste der zur Auswahl stehenden Tiere. Das «Murmeli» wie es liebevoll genannt wird, ist wohl das beliebteste inoffizielle Symbol der Schweizer Alpen. Anzutreffen sind sie auf Höhen von 1100m bis 3000m. Im Sommer sind sie sehr aktiv und auf Wanderwegen eine beliebte Touristenattraktion, wenn man die scheuen Tiere überhaupt zu Gesicht bekommt. Die schreckhaften Nager reagieren empfindlich auf Veränderungen, was womöglich eine ihrer schweizerischsten Eigenschaften ist und warnen durch laute Pfiffe ihre Artgenossen, die daraufhin blitzschnell in ihren Höhlen verschwinden.
Im alpinen Raum hat das Murmeli auch für die Bevölkerung einen Nutzen. So hat ihr Fett eine heilende Wirkung und wird seit Jahrhunderten in Salben verwendet. Neben der heilenden Wirkung sollen sie zudem auch das Wetter vorhersagen können. Wer sich beim Anblick dieser niedlichen Tiere auch fragt, ob man sie nicht als Haustier halten könnte: Murmeltiere sind Wildtiere und die Haltung als Haustier ist daher verboten. Früher sah das allerdings anders aus. Bis ins späte 18 Jahrhundert wurden die Tiere mit Fallen gefangen, gezähmt, trainiert und als Haustiere gehalten. Sogar auf Zugreisen wurden sie in kleinen Käfigen mitgenommen.



